Uwe Friesel

  Aktuelles

Nach fast vierzehn Jahren Stockholm kam ich im eisigen Februar 2010 in die Baumkuchen- und Hansestadt Salzwedel in der Altmark, dem nördlichsten Zipfel von Sachsen-Anhalt. Man spürt noch immer: Ex-DDR.Viele hier leben von Hartz IV oder müssen jeden Tag ein bis zwei Stunden Fahrzeit nach Wolfsburg oder Uelzen in Kauf nehmen, um arbeiten zu können.

 

 

Da es in Salzwedel kein Geld für Literatur gibt, geschehen Lesungen auf Gratis-Basis. Auch nicht das, was sich der VS vorstellt, wenn er seit Jahren EUR 300,00 pro Veranstaltung fordert. Doch im  Februar 2015 wurde hier auf Initiative des ehemaligen Kulturministers von Sachsen-Anhalt, Karl-Heinz Reck, ein seltener Festakt gefeiert, zur Erinnerung an den ersten gesamtdeutschen Schriftstellerkongress vor fast 25 Jahren in Travemünde. Dazu schreibt die Stadt Salzwedel, plötzlich aufmerksam, auf ihrer Homepage:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bin ich aber in Sachsen-Anhalt als Wessi schon angekommen?

Ende September 2013 habe ich bei den 22. Literaturtagen von Sachen-Anhalt ein Referat zu Gottfried August Bürger halten. Den kennt man ja meist nur als Dichter der "Lenore". Dabei war er ein eminent politischer Verfechter der Ziele der Französischen Revolution. Nachzulesen in meiner Lyrik-Antho Noch ist Deutschland nicht verloren.

Dann, im September 2015, las ich bei den 24. Literaturtagen an der Harz-Hochschule Wernigerode aus meinem Essayband Zwischen allen Stühlen ist der Platz des freien Autors. Hier wollte das Publikum beim Thema (Wieder-)Vereinigung mehr das Helle sehen als die Schatten.

Einer dieser Schatten ist ja, dass wir gar kein gemeinsames Grundgesetz haben, sondern dass die DDR damals nach der Saarlandklausel der BRD beitreten musste. Somit konnten die, die die friedliche Revolution gemacht hatten, ihre eigenen Ideen in den neuen Staat gar nicht einbringen.

Am 8. Oktober 2015 in Magdeburg ging es erneut um diese Fragen

 

 

Inzwischen haben sich die rechtsradikalen Prozesse beschleunigt: Pegida, AfD, – über 600 Gewalttaten gegen Muslime, brennende Asylantenheime, man kommt kaum nach. Das außenpolitische Umfeld seit Trumps Triumph erlaubt es, dass alte und neue Nazis scheinbar demokratisch in Parlamente einziehen. Ähnliches hatten wir doch schon mal?
Am 24. Februar hatte ich eine Lesung in der VS-Literaturkantine in Hamburg,

Standpunkt: Abenteuer Lyrik - Gedichte aus fünf Jahrzehnten
"Mit einer Auswahl von Lyrik aus 5 Jahrzehnten zeigt Friesel, wie Lyrik politische Ereignisse aufgreifen und kommentieren kann. Das UNESCO-Projekt einer afrikanischen Schreibmaschine in Dakar, die Gründung der internationalen Literaturzentren Visby und Rhodos runden das Abenteuer Lyrik ab."

In anderen Worten: nach 50 Jahren lyrischer Produktion bin ich wieder im Politischen gelandet. Vielleicht würde ich lieber anderes und anders schreiben. Doch die Umstände, die sind nicht so. Der folgende aktuelle Text bezieht sich auf systematisch betriebene Hakenkreuz-Schmierereien in meinem Wohnort:


Salzwedel, 2. Oktober 2013, nachts

Im Jahr '39 ward ich geboren,
nackt und kahlgeschoren
Und ziemlich blau im Gesicht.

Ich lag auch nicht sehr stille.
Mir fehlte gänzlich der Wille,
mich richtig zu benehmen
und mich fürs Schreien zu schämen.
Nein, schämen tat ich mich nicht.

Das tat ich erst sehr viel später
im Land der vergesslichen Väter
die waren so brav und so bieder
statt "Heil und Sieg!"
nie wieder Krieg.
Da schrie ich plötzlich wieder,
Doch diesmal vor Scham und vor Wut:
Auch ich war ja ihre Brut!
War ja selbst aus dem Land der Täter,
dem Land der vergesslichen Väter!

Mit traumatisiertem Schädel
Laufe ich nachts durch Salzwedel,
Seh hinter zerbröselnden Mauern
Die Hakenkreuz-Sprayer lauern.

 

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Schriftsteller / Author

Ein großer Abend für Uwe Friesel, für die Kultur und für die Hansestadt Salzwedel

"Wenn ich noch einmal von vorne beginnen könnte, würde ich mit dem Kopf fühlen - und mit dem Herzen denken wollen! - Dem sind Sie, lieber Herr Friesel, sehr nahe gekommen!"

 

                    Björn Engholm bei seinem Festvortrag
  

"Mit dem Kopf fühlen und mit dem Herzen denken"

Mit diesem Zitat des nordirischen Musikbarden Van Morrison und einem persönlichen Fazit endete der vielbeachtete Festvortrag von Björn Engholm, Bundesminister a.D., am 10.02.2015 zu Ehren des Schriftstellers Uwe Friesel im voll besetzten Kulturhausfoyer. Friesel, der seit einigen Jahren in Salzwedel, war auch der erste Präsident des ersten "gesamt-deutschen" Schriftstellerverbandes, der vor knapp 24 in Travemünde zusammenkam. Gastgebender Ministerpräsident und Redner damals - Björn Engholm. Grund genug für die drei organisierenden Initiatoren des Abendveranstaltung, Knut Markuszewski und Knut Schwarting, Bürgermeister a.D. aus Bad Bevensen bzw. Lüchow, sowie Karl-Heinz Reck, Kultusminister a.D. aus Salzwedel, Engholm für einen Vortrag in Salzwedel zu gewinnen.

Björn Engholm, der Hanseat aus Lübeck, würdigte Uwe Friesel als "Glücksfall" für die Schriftsteller in Ost und West bei ihrem Zusammengehen in der Zeit nach der politischen Einheit Deutschlands: "Das war eine schwergewichtige Aufgabe!"

Diesen Gedanken griff auch der Lüchower Axel Kahrs auf: "Friesel ist ein Zehnkämpfer!" Kriminalautor, Hörspielautor, Fernseh-Dramaturg, Theatermann, Literatur-Historiker, geschätzter Übersetzer, Herausgeber von Sammelbänden, Verleger, ideengebender und anpackender Macher, Literatur-Kritiker.
Der Abend wurde durch hochkarätig-abwechslungsreiche Musik des Blockflötentrios "TriTonus Hamburg" umrahmt.

Chapeau! an die Veranstalter.